Stuttgarter Zeitung, 9. November 2004

Für die Restaurierung ist es fast zu spät
Burkhardtsmühle kommt erneut unter den Hammer - Ein halbes Dutzend Interessenten

Von Anja Tröster

Waldenbuch
. In der nächsten Woche soll die Burkhardtsmühle erneut zwangsversteigert werden. Beim ersten Termin wurde nicht genug geboten. Dass sich tatsächlich ein Käufer für das leer stehende Gebäude findet, bezweifelt der Hauptamtsleiter Hubert Rüdenauer.

Auf knapp 310.000 Euro schätzen die Gutachter des Stuttgarter Amtsgerichtes die seit fast fünf Jahren leer stehende Burkhardtsmühle. Die Lage im Siebenmühlental, wenige Kilometer von Stuttgart entfernt und in direkter Nähe des Schönbuchs, scheint ideal für eine Ausflugs-Gastwirtschaft mit Biergarten. Dennoch war zur Versteigerung im Mai nur ein Waldenbucher Wirt gekommen. 110.000 Euro hätte er gezahlt, weniger als das Mindestgebot. Beim nächsten Termin am 18. November gibt es keine Untergrenze - theoretisch kann ein Interessent das Haus billig ersteigern.

Tatsächlich dürfte das aber kaum geschehen. Denn die Gläubiger des Besitzers müssen einem Verkauf ebenfalls zustimmen. Es handelt sich dabei um die Verwaltungsgemeinschaft (VWG) Hörner-Gruppe, zu der unter anderem die Ferienorte Balderschwang, Bolsterlang, Fischen und Obermaiselstein gehören, sowie den Stuttgarter Verein Unabhängiges Jugendzentrum (UJZ).

Beide Gläubiger erheben Forderungen gegen den 64-jährigen Besitzer, die der Verkauf des Gebäudes gar nicht abdecken kann. Die VWG Hörner-Gruppe hat den Mann zu Steuernachzahlungen verdonnert, weil er die Sonneck-Hütten, eine gemeinnützige Ferienhausanlage des Stuttgarter Vereins auf ihrer Gemarkung, für private Zwecke nutzte. Und Bernd Behnk vom UJZ möchte einen Teil des Gelds wieder haben, das der 64-Jährige in seiner früheren Funktion als Vorsitzender des Vereins veruntreut hat. Behnk spricht von vier Millionen Euro. Er hat eine Zwangshypothek auf die Burkhardtsmühle eintragen lassen, um an das Geld zu kommen. Der Besitzer verbüßt zurzeit eine Strafe wegen Diebstahls und Betrugs in ständig wechselnden Gefängnissen. Vor dem kommenden Juni wird er nicht freikommen.

Mindestens die Hälfte des Verkehrswerts wollte man bei der Zwangsversteigerung als Gebot sehen, hatte der Rechtsanwalt der VWG beim ersten Termin verlauten lassen. Bernd Behnk ist zuversichtlich, dass beim nächsten Termin ein solches Angebot tatsächlich eingeht. Er habe bereits zweimal Interessenten durch die Mühle geführt, sagte der Vorsitzende des UJZ. bei der Gemeinde Waldenbuch meldeten sich laut dem Hauptamtsleiter Rüdenauer fünf bis sechs weitere Interessenten.

Da die Gemeinde daran interessiert ist, dass die Bauruine wieder hergerichtet wird, hat Rüdenauer den Schlüssel von Behnk übernommen und Interessenten herumgeführt - keine Selbstverständlichkeit, wie er betont. Doch das Ergebnis der Besichtigungen war laut Rüdenauer "eher ernüchternd". Aus seiner Sicht ist das kein Wunder. "Es ist grausam, wie es da drin aussieht", sagt er. Zuletzt hatten Halbwüchsige das haus für Schießübungen genutzt.
Rüdenauer schätzt die Chancen auf einen Verkauf deshalb nicht besonders hoch ein. Ein Käufer müsste seiner Ansicht nach mehr Geld in die Sanierung hineinstecken, als eine wirtschaftliche Kosten-Nutzen-Rechnung erlauben würde. Deshalb, glaubt Rüdenauer, könne nur ein Liebhaber alten Fachwerks sich die Restaurierung leisten. Auf dem Waldenbucher Rathaus hat man sogar darüber nachgedacht, ob man das Gebäude nicht selbst erwerben könnte. "Bis heute ist uns aber keine Nutzung eingefallen, bei der wir die Ausgabe einer womöglich sechsstelligen Summe vor dem Steuerzahler rechtfertigen könnten", sagt Rüdenauer.