Stuttgarter Zeitung, 21. September 2005

Wirt will Lokal an Weihnachten eröffnen
Besitzer der Burkhardtsmühle wartet auf Erlaubnis für Dachumbau - Monatelange Verzögerung

Waldenbuch
. Aus der Burkhardtsmühle in Waldenbuch soll wieder ein attraktives Ausflugslokal werden, doch der neue Besitzer und die Baubehörden streiten sich seit Monaten. Nun zeichnet sich eine Lösung für die Sanierung des Gebäudes ab.

Von Stephan Hack

Die Querelen im Bauausschuss am 19. Juli ärgern Theodoros Mpouras noch heute. "Ich bin in Waldenbuch (Kreis Böblingen) aufgewachsen, aber warum die Räte damals mein Baugesuch abgelehnt haben, verstehe ich nicht", sagt der neue Besitzer der Burkhardtsmühle. Mpouras hatte die Pläne für das heruntergekommene Fachwerkhaus eingereicht - unter anderem wollte er zwei Dachgauben unterhalb des Firstes einbauen. Der Ausschuss lehnte den Entwurf mit der Begründung ab, die Änderung passe nicht zum Charakter der Mühle. "Die Räte haben mich abserviert", schimpft der 36-jährige Wirt. Diese Aufregung versteht der Hauptamtsleiter Hubert Rüdenauer nicht. Man wolle Mpouras keine Steine in den Weg legen, die Dachgauben seien jedoch nicht genehmigungsfähig gewesen.

Bei der Versteigerung hatte Theodoros Mpouras das leer stehende Haus im vergangenen November für 105.000 Euro gekauft. "Diesem Wirt traue ich zu, dass er den Betrieb wieder hochbringt", hatte Rüdenauer frohlockt. Auch Mpouras war guter Dinge und kündigte an: "Man wird staunen." Aus dem einstigen Ausflugslokal im Siebenmühlental sollte eine florierende Gastwirtschaft mit einer gutbürgerlichen Küche werden.

Tatsächlich fand Theodoros Mpouras bei der Übernahme "unbeschreibliche Zustände" in dem Gebäude vor: "Ich habe gar keine Wege durch die Zimmer gefunden vor lauter Unrat, sondern musste mich an den Wänden entlangtasten." Auch das Dach war in einem miserablen Zustand. Als der neue Mühlenbesitzer mit dem Umbau loslegen wollte, bekam er zunächst zur Auflage, die Grundstücksgrenzen zu klären. Wenige Monate später besuchten Mitarbeiter des Landratsamtes das Anwesen. Sie verhängten einen Baustopp über die Arbeiten am Dach. Mpouras fühlte sich getäuscht, weil sein Architekt angegeben habe, dass eine "mündliche Zusage" für die Dachgauben von Kreis-Baurechtsamt vorliege.

Daher wechselte Mpouras den Architekten und den Bauleiter. "Alles begann von vorne", berichtet der Grieche. Als sich der Waldenbucher Bauausschuss am 19. Juli ebenfalls gegen die Gauben stemmte, überarbeitete er seine Pläne erneut. Mit Erfolg: die Stadt stimmte vor wenigen Tagen zu, weil Mpouras aus einem der Giebel nun eine Loggia machen möchte. "So ein Dacheinschnitt ist in Ordnung und schön anzusehen", erklärt der Hauptamtsleiter Hubert Rüdenauer. Das Böblinger Landratsamt muss die Unterlagen nun noch prüfen.

Die Verzögerungen ärgern den Wirt gewaltig, er kann sein Lokal wohl erst im Dezember eröffnen. Bleibt noch die Frage des Brandschutzes. Dieser sei in der maroden Mühle nicht optimal, sagt Thomas Wagner, der Sachgebietsleiter im Bau- und Umweltschutzamt des Kreises. Das Innere sei verschachtelt, und die Nutzung einiger Zimmer müsse geklärt werden.

Wann die Handwerker anrücken können, ist noch völlig unklar. Theodoros Mpouras steht in den Startlöchern: "Sobald der Landkreis die Erlaubnis für die Arbeiten erteilt, lege ich los."