Presse

Parken im Siebenmühlental

Mehr als zehn Stunden Erholung sind nicht erlaubt

Von Norbert J. Leven

Immer mehr Besucher strömen ins Siebenmühlental, parken aber kreuz und quer. Die Stadt stellt jetzt 46 neue Stellplätze gebührenfrei zur Verfügung.
Bauunternehmer Rainer Schäfer, Erste Bürgermeisterin Eva Noller und Amtsleiterin Andrea Egner haben am Dienstag mit einem Scherenschnitt den neuen Parkplatz im Siebenmühlental freigegeben.

Leinfelden-Echterdingen - Es habe intensiver Verhandlungen und langer Abstimmungsprozesse mit verschiedenen Behörden bedurft, um einen neuen Parkplatz im Siebenmühlental bauen zu können. An diesen schwierigen Weg erinnerte Leinfelden-Echterdingens Erste Bürgermeisterin Eva Noller am Dienstagnachmittag bei der offiziellen Inbetriebnahme.

46 Autos und zwei Busse finden auf dem neu angelegten Areal in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem bereits bestehenden Parkplatz unter dem Viadukt des Bundeswanderweges Platz. Mit dem Bau habe die Stadt auf den großen Druck reagiert, den Besucher erzeugt hatten. „Das Siebenmühlental ist nun mal ein Naherholungsgebiet nicht nur für die Stadt, sondern für die ganze Region“, sagte Noller. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Eselsmühle und Mäulesmühle waren Besucher in den zurückliegenden Jahren allerdings immer öfter durch wildes Parken im Naturschutzgebiet negativ aufgefallen (wir berichteten). Die Stadt sah Noller dabei „zwischen allen Stühlen“ – etwa bei den Belangen des Naturschutzes oder den Interessen der Mühlenbetreiber.
Parkzeit auf zehn Stunden beschränkt

Der neue Parkplatz wird für die Besucher gebührenfrei bleiben, sagte Noller. Die Anregung aus dem Gemeinderat, einen Obolus zu verlangen, habe man aus Gründen der Wirtschaftlichkeit wieder verworfen. Allerdings wird die Höchstparkdauer auf zehn Stunden beschränkt. „Flughafenparker und Camper wollen wir hier nicht haben“, sagte die Bürgermeisterin. Nun hofft die Bürgermeisterin, dass auch noch der Rasensamen aufgeht, „denn eigentlich ist das hier ein Schotterrasen“. Die trockene Witterung habe das Wachstum bisher verhindert. Unterdessen hat die Naturschutzorganisation Nabu, die den Parkplatz-Neubau kritisiert hatte, in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Roland Klenk gefordert, dass entlang der Zufahrt zur Eselsmühle das Parken in Zukunft wirksam unterbunden und auch kontrolliert wird. Auch fehle ein eindeutiger Hinweis, wo der Parkplatz aufhört.

Wildes Parken soll im Siebenmühlental künftig verhindert werden

Zusätzlicher Parkplatz im Siebenmühlental

„Die heute zur Entscheidung gestellte Maß- nahme ist das Ergebnis des Versuchs, allen berechtigten Anliegen gerecht zu werden.“ OB Roland Klenk warb in der Sitzung des Technischen Ausschusses erfolgreich für die in zahlreichen Gesprächen mit den beteiligten Behörden gefundene Lösung, das Problem des wilden Parkens im Siebenmühlental zu beheben.

Erweiterungsplan Parkplätze Mäulesmühle

46 neue PKW-Parkplätze und zwei Busparkplätze (rote Flächen im Plan) sollen schon in dieser Sommersaison verhindern, dass Besucher bei großem Andrang verbotenerweise wild zum Beispiel entlang des Mühlwegs zwischen Viadukt und Eselsmühle auf den Wiesen parken. Wie auf dem Plan zu sehen ist, entstehen die neuen Parkflächen westlich des bereits im Bereich des Viadukts bestehenden Parkplatzes. Über eine getrennte Zu- und Ausfahrt wird eine reibungslose Belegung des neuen Parkplatzes sichergestellt, der unter anderem durch die Pflanzung von acht Bäumen in das Landschaftsbild integriert wird. Damit Oberflächenwasser von den mit Schotterrasen befestigten Flächen nicht ungefiltert in den Reichenbach gelangt, wird eine Versickerungsmulde angelegt. Während Stadträtin Ingrid Grischtschenko (Grüne) zu bedenken gab, dass an schönen Wochenenden auch die zusätzlichen, neuen Parkplätze nicht ausreichen und trotzdem weiterhin wild geparkt würde, weshalb ihre Fraktion dem neuen Parkplatz nicht zustimmen könne, regte Ilona Koch (CDU) an, mit Maßnahmen entlang des Mühlwegs das verbotene Parken auf den Wiesen zu verhindern. Erste Bürgermeisterin Eva Noller nahm diese Anregung ebenso auf wie den Vorschlag, Gebühren für das Parken zu verlangen. Die CDU-Forderung, das etwa 100.000 Euro teure Vorhaben nicht gänzlich aus dem städtischen Haushalt zu subventionieren, unterstützte auch SPD-Fraktionsvorsitzender Erich Klauser. Er berichtete, dass auf Parkplätzen am Albrand, die er schon angesteuert hat, zwei Euro pro Tag Gebühren verlangt werden.

Das wilde Parken muss beendet werden. Das ist auch für Dr. Hans Huber, dem Vorsitzenden der Freien Wähler, und Wolfgang Haug (Fraktionsvorsitzender der FDP/LEB- Fraktion) unstrittig. Während Stadtrat Dr. Huber die Zustimmung seiner Fraktion zum Verwaltungsvorschlag ankündigte, brachte Stadtrat Haug, der sich bei der Abstimmung enthielt, die Fläche im Bereich des zweiten Viadukts als weniger exponierten Standort für einen Parkplatz in die Diskussion ein, weshalb OB Roland Klenk noch einmal darauf hinwies, dass alle möglichen Standorte sorgfältig mit der Naturschutzbehörde und anderen Beteiligten geprüft wurden und der nun vorgeschlagene Standort als einzige Möglichkeit in unmittelbarer Nachbarschaft der Mäules- und der Eselsmühle übriggeblieben ist.

 

Naherholung im Siebenmühlental

L.-E. macht Schluss mit dem wilden Parken

Von Norbert J. Leven

Die Stadt Leinfelden-Echterdingen lässt nahe der Mäules- und Eselsmühle im Siebenmühlental einen neuen Parkplatz für 46 Autos bauen.

Leinfelden-Echterdingen - Zu Dutzenden stellen Wochenendausflügler ihr Auto, wenn der Parkplatz unter dem ehemaligen Bahnviadukt voll ist, einfach auf die Wiese nahe der Eselsmühle im Siebenmühlental – obwohl dies verboten ist. Naherholungssuchende, die spätestens von Anfang Mai an wieder in Massen ins Tal drängenwerden, sollen künftig ein größeres Angebot an offiziellen Parkplätzen vorfinden. Für circa 104 000 Euro lässt die Stadt 46 Stellflächen für Autos und zwei Standplätze für Reisebusse neu bauen.

Einen entsprechenden Beschluss hat der Technische Ausschuss des Gemeinderats am Dienstagabend mit großer Mehrheit gefasst. Gegen die Planung stimmten die beiden Grünen. Wolfgang Haug (LE-Bürger/FDP-Fraktion) enthielt sich der Stimme. Wenn die nun folgende Ausschreibung und Auftragsvergabe reibungslos vonstatten geht, könnten die neuen Parkplätze bereits Ende Mai zur Verfügung stehen. Als spätesten Termin für eine Inbetriebnahme nannte die Leiterin des zuständigen Amts für Umwelt, Grünflächen und Tiefbau, Andrea Egner, auf Nachfrage unserer Zeitung die Jahresmitte.

Stadt verhandelt fast zwei Jahre lang

Das positive Votum der Stadträte war allerdings kein Selbstläufer, obwohl aus der Mitte des Gemeinderats seit nunmehr vier Jahren das wilde Parken auf der Wiese am Mühlenweg immer wieder angeprangert wird. Seit Mitte 2013 bemüht sich die Stadtverwaltung in intensiven Verhandlungen mit der Naturschutzbehörde beim Landratsamt um eine Lösung. Seit Ende vergangenen Jahres gibt es eine Übereinkunft, auf deren Basis nun eine Baugenehmigung erteilt werden kann.

Das Verhandlungsergebnis sieht vor, dass 46 Parkplätze – vier weniger als ursprünglich vorgesehen – und zwei Busabstellplätze (in Schotterrasenausführung) auf einem städtischen Wiesengrundstück gebaut werden dürfen. Zu- und Ausfahrt sollen voneinander getrennt angelegt werden. Acht neue Bäume werden gepflanzt, das anfallende Oberflächenwasser soll zunächst in eine Versickerungsmulde fließen und von dort aus mit Verzögerung schließlich den Reichenbach erreichen.

„Vorhandene Parkplätze besser nutzen“

Bedenken gegen den Parkplatz-Neubau machte nicht nur die Grünen-Fraktionsvorsitzende Ingrid Grischtschenko geltend. Sie forderte flankierende Maßnahmen, damit der „Wildwuchs“ auch aufhöre. Einen Schutz der Wegesränder sagte die Baubürgermeisterin Eva Noller in der Sitzung daraufhin zu.

Auch Wolfgang Haug (LE-Bürger/FDP-Fraktion) äußerte sich skeptisch. Vor einem Neubau solle man dafür sorgen, dass die vorhandenen Parkplätze, etwa an der Seebruckenmühle, besser genutzt werden. Ihm gefalle es nicht, „dass wir Autos in die freie Landschaft hineinstellen“. Bedenken machte überraschend auch die CDU-Fraktion geltend, die das Thema ursprünglich gemeinsam mit den Freien Wählern angestoßen hatte. Der stellvertretenden Fraktions­chefin der Christdemokraten, Ilona Koch, war vor allem die hundertprozentige Subvention des Parkplatzneubaus durch die Stadt ein Dorn im Auge. Andernorts müsse man an Ausflugszielen auch fürs Parken bezahlen. Koch brachte einen Obolus in Höhe von bis zu zwei Euro analog zu den Gebühren an den S-Bahn-Haltestellen ins Gespräch.

OB lässt Gebührenpflicht prüfen

SPD-Fraktionschef Erich Klauser bestätigte, die Gebührenpflicht von Ausflügen auf die Alb zu kennen, wollte aber deshalb eine Entscheidung nicht zurückstellen: „Der derzeitige Zustand ist unhaltbar.“ Diese Einschätzung teilte sein Amtskollege von den Freien Wählern, Hans Huber. Er äußerte sich skeptisch zur Gebührenpflicht. Ob Parktickets praktikabel sind, will OB Roland Klenk prüfen lassen. Eine einheitliche Lösung wird nicht einfach: Die bestehenden 100 Parkplätze gehören drei verschiedenen Eigentümern.

Tafeln mit Bedeutung

Musberg. OB Klenk und Regierungsvizepräsident Schneider enthüllen Infoschilder zum Naturschutzgebiet Eichberg. Von Natalie Kanter

Infoschilder am Eichberg

Glück mit dem Wetter hatten am Donnerstag Regierungsvizepräsident Christian Schneider und Oberbürgermeister Roland Klenk: Wenige Minuten bevor die Herren die neuen Infotafeln des Regierungspräsidiums zum Naturschutzgebiet "Musberger Eichberg" enthüllen sollten, regnete es noch Hunde und Katzen.

Dabei sollte es an diesem Tag um ganz andere Lebewesen gehen - beispielsweise um die blaue Holzbiene, den Grünspecht oder die Schmetterlingsart Admiral, die auf den Lebensraum Streuobstwiesen angewiesen sind.

Punkt 15 Uhr hörte der Regen dann schlagartig auf. Die Sonne spritzte durch die Wolken. Klenk und Schneider legten ihre Schirme beiseite und hatten die Hände frei, um braunes Ökopapier öffentlichkeitswirksam von den Tafeln zu reißen.

Die Schilder stehen in der Nähe der Eselsmühle. Ein weiterer Standort ist auf Höhe des stadteigenen Ziegenstalles. Sie informieren Besucher des Siebenmühlentales über das mit 14 Hektar eher kleine Gebiet. Es ist seit 2007 Naturschutzgebiet und ist von Streuobstwiesen, Magerrasen und Feldgehölzen geprägt. Knorrige alte Eichen sind dort zudem beheimatet. "Jeder dieser Bäume ist eine Welt für sich", ist auf einer Tafel zu lesen. Hunderte Tierarten sollen auf einer Eiche leben.

OB Klenk erinnert daran, dass auf dem Eichberg zwischen 1590 und 1793 bis zu 700 Schafe weideten. Er erklärte, dass die Tafeln eine große Bedeutung für den Naturschutz haben. Sie könnten dazu beitragen, den wertvollen Lebensraum Musberger Eichberg zu erhalten.

Christian Schneider sprach von einem Artenschwund, dem man entgegenwirken müsse. Er zitierte Joseph von Eichendorff, indem er sagte: "Sie Natur ist das große Bilderbuch, das der liebe Gott uns da draußen aufgeschlagen hat." Wenn man davon ausgehe, dass die Menschheit auch eine Seite von diesem Bilderbuch beschreibe, müsse man sich Fragen, wie lange diese noch halte.

Naturschutz erlebbar zu machen, das ist das erklärte Ziel des RP. Deshalb hat es die Tafeln aufgestellt. "Der Mensch sollte sich die geschützte Natur aber auch anschauen können", sagt Schneider. Deshalb unterstütze er wohlwollend die Bemühungen der Stadt, die Parkplatznot im Siebenmühlental zu lindern- solange es dabei keine Eingriffe in das Naturschutzgebiet gebe. Wie berichtet, ist der Wanderparkplatz Mäulesmühle/Eselsmühle an den Sommer-Wochenenden mehr als überfüllt.

Zum Tod von Hans Hahn-Seebruck

Ein langes Leben für die Kunst

Leinfelden-Echterdingen. Von der Begegnung mit Amadeo Ruiz Olmos, einem Schwager Pablo Picassos, 1954 in Madrid hat Hans Hahn-Seebruck auch im hohen Alter noch gerne erzählt. Einer der bedeutendsten Nachkriegs-Kunstschaffenden aus Leinfelden-Echterdingen ist am vergangenen Freitag im Alter von 92 Jahren gestorben.

Von 1936 bis zu seinem Umzug ins Pflegeheim Bethanien in Möhringen vor wenigen Wochen hatte der Maler und Bildhauer in der Seebruckenmühle im Siebenmühlental gelebt. Nach dem Krieg hatte der Vater Johannes Hahn die 1944 bei einem Bombenangriff zerstörte Mühle wieder aufgebaut. Aus dem nahe der alten B27 gelegenen Ensemble von Scheune, Stall und Schuppen wurden im Laufe der Jahre Atelier, Werkstätten und Galerieräume. 1967 eröffnete der Künstler dort seine Galerie "Weiße Scheune", wo er Werke der verschiedensten Techniken - Ölbilder, Holzschnitte, Spritztechnik sowie Skulpturen aus Stein, Holz und Eisen - präsentierte. Seine Holzschnitte, zu deren Herstellung er eine alte Weinpresse umfunktionierte, leben von einer selbst entwickelten Technik, die es ihm erlaubte, einzelne Komponenten nach dem ersten Andruck noch zu verändern.

Hans Hahn-Seebruck widmete sich künstlerisch oft dem Thema Mensch und Natur. Einige Werke beinhalteten freie und abstrakte Formen und Motive. Viele seiner interessanten Stahl- und Eisenskulpturen, die meist beweglich sind, hat er aus zusammengesuchtem Material geschaffen. Von Hans Hahn-Seebruck stammt auch die Skulptur "Astronomie" (Rotierendes Weltall, 1974) vor dem Philipp-Matthäus-Hahn-Gymnasium in Echterdingen